Die Stadtkirche St. Marien ist eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche, bei der jedes Schiff durch eine Apsis abgeschlossen wird. Der Baubeginn der aus roten Backsteinen errichteten Kirche ist ungeklärt. Ursprünglich war sie dem Schutzherrn der Kaufleute, dem heiligen Nikolaus geweiht, dessen Verehrung niederländische Siedler verbreitet hatten. Die Bauzeit der Kirche wird auf 1370 bis 1450 datiert. Dem Stil der Deckenmalerei nach zu beurteilen, wurde die Osthälfte der Kirche um 1410, nach 1430 die Westhälfte eingewölbt. Den Turm errichtete man auf einem rechteckigen Grundriss und führte diesen über in ein Oktagon. Durch den Stadtbrand von 1483 stark beschädigt, stürzte er 1495 ein und konnte erst 1562 wieder instand gesetzt werden. Zu Beginn des 17. Jh. entstanden die zweite Bekrönung, das kleinere Oktagon, Haube und Laterne. Im Turmknopf befindet sich eine umfangreiche Dokumentensammlung und ein Münzenschatz aus vielen Jahrhunderten. Auf der Nordseite schließt sich an das dritte östliche Seitenschiff eine ursprünglich eingeschossige Sechseckkapelle an. Die Reste der Originalfenster aus dem 14. Jh. sind kunstgeschichtlich außerordentlich bedeutend und bemerkenswert. Das aus dem späten 15. Jh. stammende Obergeschoss, bewahrte ursprünglich das Kirchenarchiv auf. Die Türmerwohnung birgt heute das Albert-Schweitzer-Heim der evangelischen Jungen Gemeinde Herzberg und war immerhin noch bis zum Jahre 1955 von einer Türmerfamilie bewohnt. Die kunstgeschichtliche Bedeutung der Herzberger Pfarrkirche erklärt sich in aller erster Linie aus dem nahezu vollständig erhaltenen Programm mittelalterlicher Gewölbemalerei. Im älteren Teil des Baus dürfte die Bemalung stilkritischer Überlegung zufolge um 1415 stattgefunden haben.
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