06.12.2016

Das Band zwischen Herzberg und Luther - eine Reise ins Elbe-Elster-Land

Eine Reise nach Herzberg in den Elbe-Elster-Kreis. Dort kreuzen sich zwei Pilgerwege - der Lutherweg und der sächsische Jakobsweg. Die große Geschichte hätte das kleine Städtchen fast dreimal gestreift. Fest steht: Einige Herzberger Bürger und Mönche des Augustinerordens studierten bei Luther in Wittenberg und die Universität Wittenberg floh 1506 vor der Pest nach Herzberg.

Das Reformationsjubiläum 2017 hat bereits begonnen, auch wenn die großen Ausstellungen erst ab April und Mai ihre Pforten öffnen. Die im Südwesten Brandenburgs gelegene Region Elbe-Elster wurde mehrfach von der Reformation gestreift. Die bekannteste Reformationsstadt ist Mühlberg, wo 1547 eine entscheidende Schlacht stattgefunden hat.

Hier aber mehr zu Herzberg: Das Städtchen, in dessen Zentrum die evangelische Marienkirche steht, hat etwas mehr als 9000 Einwohner. Es ist, wie Heimatfroscher Ulf Lehmann Besuchern erläutert, gleich dreimal "ganz dicht an der großen deutschen Geschichte vorbeigeschrammt". 1939 wurde dort der Deutschlandsender "Drei" eingeweiht, der damals höchste Sendemast Europas. Carl Friedrich Goerdeler, der zum Kreis der Widerstandskämpfer des gescheiterten Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 gehörte und neuer Reichskanzler werden sollte, versteckte sich in Herzberg. Und vor 500 Jahren streiften Luther und die Reformation Herzberg.

Herzberg profitierte von der Nähe zu Wittenberg

Die Städte Wittenberg und Herzberg trennen gerade einmal 60 Kilometer. Pfarrerin, Anika Scheinemann-Kohler erzählt: "Die Wittenberger Universität gastierte hier 1506. Zugegeben nicht ganz freiwillig. Es war die Pest, die die Universität aus Wittenberg hierher vertrieb. Die Herzberger gingen nach Wittenberg zum studieren. Die Geschäftsleute brachten seit jeher Ideen mit. Nicht nur Waren wurden gehandelt von den Kaufleuten, sondern auch Ideen und neueste Nachrichten wurden mitgebracht."

Das Bindeglied zur Reformation sind die Mönche des Augustiner-Konvents. Sie waren Bettelmönche und hatten auch in Jüterbog ein Haus. Dort predigte der Dominikanermönch Johann Tetzel leidenschaftilch für den Ablasshandel und erzürnte Luther. In der Stadt Jüterbog können Besucher noch heute den so genannten Tetzelkasten sehen, in dem angeblich das eingesammelte Geld verwahrt wurde, für das der Nachlass der Sündenstrafen im Fegefeuer versprochen wurde.

Ein Buch über Luther und Melanchthon in Herzberg

Der Herzberger Heimatforscher Ulf Lehmann, der von Beruf her eigentlich Elektroinstallateur ist, hat gerade das Buch "Mit Luther und Melanchthon unterwegs in Herzberg", herausgegeben. Über 30 Autoren haben lesenswerte kleine Geschichten aus der Reformationsgeschichte der Stadt gesammelt.

Pfarrerin Anika Scheinemann-Kohler führt stolz durch die Kirche St. Marien. Die Kirche im Zentrum von Herzberg entstand als Beispiel der norddeutschen Backsteingotik Mitte des 14. Jahrhunderts. Als man 2008 an der nördlichen Außenwand eine Münze fand, auf der das Erfurter Rad abgebildet war, hieß es gleich, die muss Luther aus der Rocktasche gefallen sein als er in Herzberg war, schließlich sei er im Erfurter Augustinerkloster Mönch gewesen.

Spuren der Reformation: Im Kirchengewölbe fehlt die Hölle

Die Orgel in St. Marien erbaute 1896 der Zörbiger Orgelbaumeister Wilhelm Rühlmann. Von der Orgel aus hat man einen guten Blick in das herrliche Gewölbe des Kirchenschiffs. Dort sind hochwertige Secco-Malereien zu finden, die auf den trockenen Putz aufgebracht wurden. Es waren böhmische oder böhmisch beeinflusste Künstler, die diese in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts an der Decke anbrachten.

Die Besonderheiten der Malereien, erläutert die Pfarrerin: "Sie haben hier im Chorbereich die Auferstehung der Toten. Christus als Weltenrichter auf dem Regenbogenthron und nach Mittelalterlogik wäre auf der anderen Seite die Hölle, aber die gibt es nicht mehr. Die ist übertüncht."

In Herzberg leben auch zwei Luther-Nachfahrinnen, darunter Julia Ellert als 14fache Urenkelin. Sie beschäftigt sich erst durch das Reformationsjubiläum näher mit ihrem berühmten Vorfahr. Getroffen hätte sie ihren berühmten Ur-Ahnen schon einmal gerne, auch wenn die Familiengeschichte sehr verworren ist.

Melanchthon - der wichtigste Mitarbeiter Luthers

Schräg gegenüber der Kirche St. Marien, am ehemaligen Gymnasium der Stadt, steht eine Büste von Philipp Melanchthon. Der wichtigste Mitarbeiter Luthers, großartiger Griechischkenner und Pädagoge ist bekannt für seine Schulordnungen. Und die Herzberger halten ihre von ihm gegebene für ganz besonders. In den Schulordnungen aus der Feder von Melanchthon stehen so bedenkenswerte Überlegungen wie "nicht zu viel Lernstoff, dafür Gründlichkeit und Wiederholungen".

Gestiftet wurde die Büste von der Landsmannschaft ehemaliger Herzberger in Berlin. Eine Kopie der Büste, die Johann Gottfried Schadow für Eisleben geschaffen hatte. Sie sollte im späten 19. Jahrhundert helfen, dass Herzberg als Kurort anerkannt wurde. Doch daraus wurde nichts.

Reformationsspiel auf dem Marktplatz

Am 14. und 15. Juli 2017 findet auf dem Marktplatz von Herzberg das Reformationsspiel "Gerechtigkeit für alle" statt. Der Landkreis Elbe Elster erinnert auf vielfältige Weise an die Reformation, unter anderem auf Schloss Doberlug, wo die Sonderausstellung "Die letzten Mönche von Dobrilugk" im Juli eröffnet wird. Oder in Finsterwalde mit einer Ausstellung zur Geschichte der evangelischen Kantorei. Und noch eine kleine Ausstellung, die nichts mit Luther zu tun hat, lohnt einen Abstecher: Im Museum Bad Liebenwerda ist bis Ende Januar 2017 eine Ausstellung über den Kinderwagen zu sehen.

Weitere Informationen: Tourismusverband Elbe-Elster-Land e.V., Markt 20, 04924 Bad Liebenwerda, 
Tel. 035341 30652, Fax 035341 12672, E-Mail: info@elbe-elster-land.de, Internet: www.elbe-elster-land.de

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