Traditionelles Puppentheater im Elbe-Elster-Land

Das 19. Internationale Puppentheaterfestival findet 2017 vom 15. - 24. September statt. Das Programm zum Puppentheaterfestival steht ab sofort auf www.puppentheaterfestival-ee.de zur Verfügung.

Kulturfeste 2017 stehen in Brandenburg ganz im Zeichen der Reformation. Wer da glaubt, das 19. Puppentheaterfestival im Elbe-Elster-Land ist da außen vor, der täuscht sich. Bereits um 1880 wurde das Marionettenspiel „Doctor Martin Luther – oder Der Reichstag zu Worms“ aufgeführt. Ihm lag ein Schauspiel aus dem Jahre 1808 zugrunde. Im 20. Jahrhundert geriet es jedoch weitestgehend in Vergessenheit. Erst jetzt in Vorbereitung des 500. Jubiläums der Reformation wurde es wieder aus den Puppenspielarchiven hervorgekramt, allerdings mit der Bemerkung „Nicht mehr spielbar!“ Ein, die Person Luthers stark verklärender Pathos war nicht mehr zeitgemäß. Daher machten sich Puppenspieler an eine Neuinterpretation des Ereignisses für ihre Bühne. Drei davon gastieren zum Festival: Das Theatrium Dresden und die TheaterGärtnerei Magdeburg sogar mit Luther-Stücken für Kinder ab vier Jahren. Sie werden in Kindergärten, aber vor allem in Grundschulen des Landkreises auftreten. Das Theater Rudolf & Voland aus Birkwalde (Sonnewalde) führt am Großen Abend des Puppenspiels am 23. September im Bürgerhaus Bad Liebenwerda „Die Legende Luther“ auf. Es ist eine Produktion mit Unterstützung des Kulturamtes des Landkreises. Alle drei Inszenierungen befinden sich noch im Probenprozess, sodass auch wir Organisatoren uns echt überraschen lassen müssen. Der Lange Abend wird des Weiteren gestaltet vom Theatrium Dresden mit „Michael Kohlhaas“ nach der Novelle von Heinrich v. Kleist, in der Martin Luther ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Wenn in diesem Jahr einer Reformation im Besonderen gedacht wird, so gedenkt das Elbe-Elster-Festival wie auch alle anderen schon seit langem der Reformen in der Puppentheaterszene, die vor 100 Jahren als sogenanntes „künstlerisches Puppentheater“ einsetzten. Junge Bildende Künstler und Komponisten wandten sich der Figur zu und nutzten sie, um ihre ganz persönlichen Anschauungen zu den gesellschaftlichen Verhältnissen nach dem 1. Weltkrieg auszudrücken. Sie wandten sich ab vom Jahrmarktkasperspiel und vom trivialen Marionettentheater. Sie verbanden Puppenspiel mit Schauspiel, und sie entdeckten vor allem asiatische Figurenarten für ihre Arbeit. Die Stabfigur hielt Einzug auf der Puppenbühne genauso wie das Schattenspiel. Später, ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, wurde der Beruf Puppenspieler ein akademischer und nun war die Voraussetzung gegeben für einen Quantensprung dieser Theatergattung. Die offene Spielweise, Tischfiguren, Stabmarionetten und vor allem das Objekttheater zeigten eine bis dahin nicht dagewesene Ausdrucksbreite. Sie war auch immer wieder Gegenstand des Festivals im Elbe-Elster-Land. 

Das Programm für das diesjährige Festival ist im Detail zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht fertig. Es zeichnet sich aber ab, dass vor allem russische Dramatik den Spielplan bestimmen wird. Das ist insofern wieder thematisch begründet, da gerade aus der Sowjetunion im 20. Jahrhundert wichtige Impulse für das Puppenspiel kamen. Genannt sei nur die Arbeit des Zentralen Moskauer Puppentheaters unter Leitung von Sergej Obraszow. Auf dem Programm werden stehen Puschkins „Pique Dame“ und Gogols „Nase“. Für Kinder die Volksmärchen „Mascha und der Bär“ (TheaterImkerei), „Jermelia, der Zauberfisch“ (Tatjana Chodorenko), „Das Rübchen“ (Herrmanns Hoftheater), Marschaks „Das Tierhäuschen“ (Steffi Lampe) und Jewgenij Schwarz‘ „Zar Wasserwirbel“ (Ateliertheater Erfurt). Aus Moskau gastieren die privaten Theater „Teatr Teatrol“ und „Tut i Tam“ mit sehr volksnahen Interpretationen russischer Stücke.

Eines ist aber schon sicher, das Festival wird eröffnet mit den schon Kult gewordenen „Berliner Stadtmusikanten“ für Erwachsene. Nachdem die Zuschauer 2014 bereits den ersten Teil bejubelten, kommt nun am 15. September, 19:00 Uhr im Refrektorium Doberlug der zweite Teil zur Aufführung. Das Altersheim „Zum Sonnenschein“ öffnet unter dem Titel „Sag mal, geht’s noch“ für alle Junggebliebenen seine Pforten und Regina und Daniel Wagner geben ihren Insassen wieder Zucker! 

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