Annaburg - Schloss und Stifel-Brunnen

Das Annaburger Schloss war eine bedeutende Residenz der Kurfürsten von Sachsen. Friedrich der Weise (1463–1525) weilte gern in Lochau, wie der Ort früher hieß. Die Lochauer Heide war sein bevorzugtes Jagdgebiet. Mit ihm und später seinem jüngeren Bruder Johann dem Beständigen weilte auch der enge Vertraute Martin Luthers und Beichtiger des Kurfürsten Georg Spalatin (1484–1545) des öfteren in Lochau. 1573 wurden Schloss und Stadt nach Kurfürstin Anna (1532–1585) in Annaburg umbenannt. Kurfürst August von Sachsen (1526–1586) hatte das Schloss seiner Gemahlin, einer geborenen Prinzessin von Dänemark, geschenkt und einen Neubau veranlasst. Das Hinterschloss wurde zwischen 1572 und 1575 im Renaissancestil errichtet. Die ehemals von einem Wassergraben umgebene Vierflügelanlage wird von eindrucksvollen Renaissance-Giebeln bekrönt. Kurfürst August und Kurfürstin Anna hatten großen Anteil daran, dass sich Sachsen in einen lutherischen Konfessionsstaat wandelte. „Mutter Anna“ betrieb in Annaburg unter anderem eine Apotheke und eine Alchimistenküche. Seit dem 17. Jahrhundert wurde das Schloss überwiegend als Verwaltungssitz genutzt. 1762 wurde eine Militär-Knaben-Erziehungsanstalt eingerichtet, in der 500 „arme Soldatenkinder“ evangelischen Glaubens unentgeltlich erzogen wurden. Zu dieser Einrichtung kam noch eine Unteroffiziersschule dazu. Die militärische Nutzung endete 1921. Im Hinterschloss ist heute ein Museum zur Schlossgeschichte eingerichtet. Das einstige Jagdgebiet der Kurfürsten von Sachsen, die Annaburger Heide, ist heute militärisches Sperrgebiet. Das Areal darf nicht betreten oder befahren werden.

Stifel-Brunnen Ein Brunnen auf dem Annaburger Markt, unweit der Kirche, erinnert an den Pfarrer Michael Stifel (um 1487–1567). Der Augustinermönch hatte sich den Ideen Luthers angeschlossen und war der erste evangelische Prediger in Österreich. Auf Betreiben Luthers erhielt er die Pfarrstelle in Lochau (heute Annaburg), wo Luther ihn persönlich mit der Witwe seines Vorgängers traute. Michael Stifel war fasziniert von der Welt der Zahlen. Ausgehend von einer mathematischen Ausdeutung der Bibel, berechnete er für den 19. Oktober 1533 um 8 Uhr morgens den Weltuntergang. Seine Gemeinde hatte er auf das bevorstehende Ende eingestimmt: Die Bauern bestellten ihre Felder nicht mehr, Pilger zogen zu ihm, um zu beichten. Als der Termin verstrichen war, wurde Stifel verhaftet. Später wieder freigekommen, war er an wechselnden Orten Pfarrer, u. a. in Brück, ehe er sogar als erster Professor für Mathematik an die Universität Jena berufen wurde. Der Brunnen in Annaburg wurde 1996 von dem Dresdner Bildhauer Vinzenz Wanitzschke geschaffen. Er zeigt den Prediger und Mathematiker auf einer auseinanderbrechenden Weltkugel.

Weitere Informationen:
Schloss Annaburg, Schlossstraße, 06925 Annaburg, Tel. 035385 21205
www.geschichte-annaburg.de
Februar bis November Mi–So 11.00–14.00 Uhr

hintergrundbild
Tourismusverband Elbe-Elster-Land e.V. | Schlossplatz 1 | 03253 Doberlug-Kirchhain | Tel.: 035322 6888516 | Fax: 035322 6888518 | E-Mail: info@elbe-elster-land.de