Pretzsch - Schloss und Stadtkirche St. Nikolaus

Mit der Elbfähre gelangt man auf das linke Elbufer, wo sich ebenfalls ein bedeutendes, ehemals ursächsisches
Residenzschloss befindet. Ursprünglich gehörte das Schloss Pretzsch der Adelsfamilie Löser. Martin Luther, der mit der Familie befreundet war, weilte mehrfach in Pretzsch, das bis zur Vereinigung mit Bad Schmiedeberg 2009 ein selbstständiges Städtchen war. 1524 traute er Hans Löser (1481–1541) und Ursula von Porzig. An der Hochzeitsfeier nahmen auch die Reformatoren Philipp Melanchthon (1497–1560), Nikolaus von Amsdorf (1483–1565) und Justus Jonas (1493–1555) teil. Nach seiner Erhebung zum Erbmarschall ließ Hans Löser III. zwischen
1571 und 1574 das prächtige Renaissanceschloss errichten. Es besteht aus einem Nord- und einem Ostflügel sowie dem vorgelagerten Torhaus. In der Hofecke erhebt sich ein rechteckiger Turm. Schloss und Herrschaft Pretzsch gelangten 1689 durch Tausch an Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1647–1691). Sein zweiter Sohn Friedrich August (1670–1733), heute bekannt als August der Starke, heiratete 1693 die Prinzessin Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth (1671–1727). Nach der Geburt des einzigen ehelichen Sohnes schenkte er Schloss Pretzsch seiner Gemahlin. Christiane Eberhardine lebte meist getrennt von ihrem Gatten. Den Glaubenswechsel ihres Mannes zur römisch-katholischen Konfession, um König von Polen zu werden, lehnte sie ab und hielt am lutherischen Glauben fest. Über viele Jahre nutzte sie das Schloss in Pretzsch, das um ein Stockwerk erhöht wurde, als fürstliche Residenz. Als sie plötzlich erkrankte und kurz darauf vereinsamt 1727 in der Kleinstadt an der Elbe starb, kam das Gerücht auf, sie sei von einem katholischen Priester vergiftet worden. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770–1840), der 1815 auch diesen Teil des ehemals sächsischen Gebiets in Besitz genommen hatte, schenkte das Schloss 1827 der Stiftung „Potsdamsches Großes Militärwaisenhaus“, das Kinder gefallener preußischer Soldaten aufnahm. Bis 1923 wurde das Schloss als Waisenhaus genutzt. 1947 richtete man erneut ein Kinderheim ein. Aus dieser Einrichtung ging ein modernes Kinder- und Jugendheim hervor. Einige Räume dienen als Schlossmuseum.

Die evangelische Stadtkirche St. Nikolaus wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut und zwischen 1720 und 1727 auf Betreiben der Kurfürstin Christiane Eberhardine (1671–1727) zur barocken Hofkirche umgestaltet. Im Chor entstand die Fürsten- oder Eberhardinenloge. Der Dresdner Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann
(1662–1732) zeichnete die Baupläne für den barocken Turmaufsatz, der allerdings erst 1736, nach dem Tod der
Kurfürstin, vollendet wurde. Christiane Eberhardine, die nicht wie ihr Mann konvertierte und niemals polnischen Boden betrat, ist in der Kirche begraben. Aufgrund ihrer tiefen Frömmigkeit und ihrer standhaften evangelischen Überzeugung nannte man sie die „Betsäule Sachsens“ (Besichtigung nach Anmeldung unter 034926 57438).

Weitere Informationen:
Schloss Pretzsch, Schlossbezirk 1, 06905 Pretzsch, Tel. 034926 5630
www.salus-lsa.de
Schlossmuseum: Di–Sa 10.00–17.00 Uhr
sowie nach Anmeldung

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